Studie »Nature« zum Autofahren: Sehr viel teurer

Eine neue Studie des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und der US-Eliteuniversität Yale ergab, dass Autobesitzer die Kosten ihres Autos dramatisch unterschätzen. Dabei wurden 6000 deutsche Haushalte mit eigenem Auto nach der Schätzung der Unterhaltskosten des eigenen PKW befragt mit dem Ergebnis, dass Autobesitzer die Kosten ihres PKWs im Durchschnitt um mehr als 50 Prozent unterschätzen.

Grafik: mcs von Süddeutsche Zeitung, Quelle: M. A. Andor et al. Nature 580, 453–455 (2020)

Diese Fehleinschätzung führt zwangsläufig zu einem fehlgeleiteten Mobilitätsverhalten und ist ein wichtiger Grund, warum Autoverkäufe und zum Teil die Autonutzung in Europa weiter ansteigt, mit allen Folgen für die seit Jahrzehnten steigenden Emissionen im Verkehrssektor. Laut statistischem Bundesamt stieg die Zahl der privat gehaltenen Autos in den letzten 10 Jahren von 37 auf 42 Millionen, wobei davon knapp 2/3 Fahrzeuge zumeist übermotorisierte Firmenwagen, also steuersubventionierte Leasing-Fahrzeue, sind.

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass sich bei einem Wissen um die wahren Kosten die Mobilität stark verändern würde, da sich dann die Zahlungsbereitschaft der Befragten für den öffentlichen Verkehr um 22 Prozent erhöhen würde. Wären die echten Kosten bekannt, könnte das den Autobesitz um bis zu 37 Prozent reduzieren, also 18 Millionen weniger Autos allein auf deutschen Straßen und 23 Prozent weniger Verkehrsemissionen.

Der Vorschlag der Forscher an die Politik lautet deshalb, dass Hersteller beim Verkauf von Autos auch zu Angaben zu den Gesamtkosten beim Unterhalt verpflichtet werden, ähnlich wie in anderen Bereichen, z.B. dem Energiewert für Immobilien oder dem Stromverbrauch bei Kühlschränken.

Quellen: https://bicicli.de/magazin-radar/news/autofahren_kosten_bicicli/, https://www.nature.com/articles/d41586-020-01118-w